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Stellungnahme der ÖGP: CoVid-19 und die Psychologie

Dienstag, 24.03.2020

Die Corona-Krise ist – zumindest in Europa – wohl die größte Herausforderung der Menschheit seit dem 2. Weltkrieg. Neben den Herausforderungen für Medizin, Politik und Wirtschaft hat auch die Psychologie einerseits Fragen nach psychologischen Implikationen der gesetzten Maßnahmen auf Basis gesicherten Wissens zu beantworten, andererseits ergeben sich für uns als Vereinigung der wissenschaftlich tätigen Psychologinnen und Psychologen in Österreich auch neue Umstände für unsere Tätigkeit als Wissenschaftler*innn und neue Forschungsfragen, die die Psychologie auf empirischer Basis beantworten sollte.

Die Psychologie kann und sollte gesellschaftlich Stellung beziehen zu vielfachen psychologischen Aspekten der Krise (einige davon wurden bereits von unsere Partner-Verbänden, der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, DGPs, und dem Berufsverband österreichischer Psychologinnen und Psychologen, BÖP, betont):

  • Aufrufe zum Zusammenhalt und zum mitmenschlichen Handeln;
  • Anerkennung der teilweise unglaublichen Bemühungen von Menschen im Gesundheitssektor, aber auch in anderen Bereichen wie Lebensmittelhandel, Exekutive und allen anderen Bereichen, die nach wie vor für die notwendige Versorgung von uns allen im übergroßen Einsatz sind;
  • Psychologische Auswirkungen der Krise; von eingeschränkten zwischenmenschlichen Kontakten bis hin zur Einsamkeit und daraus möglicherweise resultierenden langfristigen psychischen und körperlichen Folgen;
  • aber auch Kompensationsmöglichkeiten durch die Nutzung sozialer Medien, klassischer oder Videotelefonie;
  • Implikationen der Umstellung der schulischen und akademischen Lehre auf Tele-Teaching und andere Formen der Vermittlung von Wissen, Kompetenzen und Fertigkeiten;
  • Anpassung der Erwartungen von Arbeitgebern und Vorgesetzten an die realistisch zu erwartenden Leistungen von Mitarbeiter*innen; Ziele und Regeln für die Heimarbeit; 
  • die Wichtigkeit der Beibehaltung einer klaren Tagesstruktur für Kinder, die nun „zu Hause in die Schule gehen“, aber auch für Erwachsene. In der unklaren Abgrenzung von Arbeit und Freizeit für Schüler*innen und Erwachsene, die im homeoffice arbeiten, liegen Chancen, aber auch Gefahren;
  • Last but not least und vielleicht am wichtigsten: Das Ansprechen von Angst; und vor allem, dass wir PsychologInnen mithelfen, dass sich die Menschen von der Angst nicht überwältigen lassen. Die größere Gefahr der Pandemie geht möglicherweise nicht vom Virus selbst, sondern von den (vor allem auch durch Fake-News ausgelösten) irrationalen Handlungen von Menschen aus: Übergroße Angst führt zur unnötigen Inanspruchnahme von medizinischen Einrichtungen, die sich nun voll und ganz auf die Patienten konzentrieren müssen; Hamsterkäufe bewirken völlig unnötige Engpässe in der Lebensmittelversorgung, uvm. Aber auch das Gegenteil, ein Negieren der Situation, birgt Gefahren.

Als wissenschaftliche Gesellschaft appellieren wir daher an alle mit den Worten des Infektiologen Abdu Sharkawy von der Universität Toronto: „Mäßigt die Angst mit der Vernunft, die Panik mit der Geduld und die Unsicherheit mit der Bildung. […] Lasst uns diese Herausforderung gemeinsam im besten Geist des Mitgefühls für andere, der Geduld und vor allem des unermüdlichen Bemühens um Wahrheit, Fakten und Wissen im Gegensatz zu Vermutungen, Spekulationen und Katastrophisieren bewältigen.“ (Übersetzung aus quora.com)

Aljoscha Neubauer

Christian Korunka

Kerstin Hödlmoser

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